Jörg Müller am 9. August 2010 Tagebuch JM
Die Extremregenfälle am 6. und 7. August im Dreiländereck und in anderen Gegenden in Sachsen und deren nachfolgender Niederschlag in den verschiedensten Medien machten es wieder einmal deutlich: Wenn über Katastrophen berichtet werden kann, ist auch der MDR schnell vor Ort. Noch schneller natürlich, wenn ein Politiker vor das Mikrofon zu holen ist. Dann wird sogar über Eisenbahnen berichtet, die sonst in den Meldungen einfach nicht vorkommen.
Dass am Wochenende die SOEG mit zahlreichen weiteren Vereinen, Gemeinden und Privatpersonen zu einer der größten regionalen Veranstaltung im Bereich des Zittauer Gebirges – HistorikMobil im Zusammenhang mit dem Lückendorfer Bergrennen – eingeladen hatte, fand leider im MDR vorher keine Erwähnung. Eine gleichartige Berichterstattung wie zum Pfingstfest bei der Preßnitztalbahn wäre wohl angemessen gewesen. Die letzten Jahre hatten es ja gezeigt, dass dies für tausende Besucher ein absoluter Magnet im Sommerprogramm ist. Wegen Gefahren für den Eisenbahnbetrieb durch die Wassermassen hat die SOEG am Sonnabend, 7. August, den Betrieb einstellen müssen. Als das Ausmaß der Sintflut deutlich wurde, waren bald auch Fernsehteams vor Ort – ausgespülte oder verschüttete Gleise geben natürlich einen spektakulären Hintergrund ab. Was bleibt beim Fernsehzuschauer davon wohl in Erinnerung?
Nun mag man der Katastrophenberichterstattung auch noch etwas Positives abgewinnen können, denn jetzt wissen die Fernsehzuschauer wenigstens, dass es die Eisenbahnstrecke Zittau – Görlitz bis zur Flutwelle auf der Neiße noch gegeben hatte. Wollen wir nur hoffen, dass es nicht die letzte Berichterstattung über dieses interessante länderübergreifende Schienenstück war. Auch die Kirnitzschtalbahn in der Sächsischen Schweiz hat unter den Wassermassen extrem leiden müssen, auch hier besteht nur die Hoffnung, dass die verantwortlichen Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung inzwischen erkannt haben, wie wichtig die Bahn im Grund der Kirnitzsch zwischen dem Lichtenhainer Wasserfall und Bad Schandau für den Tourismus ist.
Sendungen über Unglücke und Naturkatastrophen müssen sein, gehört die Berichterstattung darüber ja durchaus zum Informationsauftrag. Doch zur “journalistischen Ehre” sollte es auch gehören, dass dabei unverschuldet Schaden genommene Image der Region nachfolgend wieder mit aufzubessern. Für den MDR kann dies nur bedeuten, kurzfristig und regelmäßig wieder von den betroffenen Bahnen zu berichten. Ohne Sensationshascherei – dafür aber mit deutlichem Hinweis auf das Engagement der Beteiligten, die sich für den Betrieb einsetzen. Hier steht der MDR in der Pflicht – schließlich nennt er sich selber “Heimatsender”.
Tags: Kirnitzschtalbahn, MDR, SOEG, Zittau
Jörg Müller am 25. Juli 2010 Tagebuch JM
Am 20. Juli hatten Helge Scholz und ich ein längeres Gespräch mit zwei Mitgliedern der Landesgruppe Sachsen im MDR-Rundfunkrat. Herr Staatssekretär Weimann und Herr Böhme (Landestourismusverband Sachsen e.V.) diskutierten mit uns über die Aktion “Rettet die Bahnzeit”, über Hintergründe und Absichten beim MDR zu diesem Thema und natürlich auch über ihre Arbeit als Rundfunkräte. Die große Beteiligung von Zuschauern der Sendereihe “MDR-Bahnzeit” hat nach ihren Aussagen jedenfalls nicht nur den MDR und die Entscheidungsträger in der Sendezentrale der Rundfunkanstalt überrascht, sondern auch die Rundfunkräte selber.
Erfreut hörten wir natürlich die Botschaft, dass es in der Prgrammplanung des MDR das Vorhaben gibt, ab Herbst diesen Jahres wieder eine regelmäßige Eisenbahnsendung zu produzieren – zunächst zwar nur jeden zweiten Monat zu je 30 Minuten, aber ergänzt durch weitere Sendungen im Programm mit einem klaren thematischen Bezug zur Eisenbahn im Sendegebiet des Mitteldeutschen Rundfunks.
Sobald wir diese Aussage verbindlich seitens des MDR vorliegen haben, werden wir dies gern hier den Unterstützern der Aktion zur Kenntnis geben. Hoffen wir, dass die Signale richtig gestellt sind.
Tags: Eisenbahnsendung, MDR-Programm, MDR-Rundfunkrat
Jörg Müller am 18. Juli 2010 Tagebuch JM
Die Medien haben ein tolles Sommerlochthema gefunden – und das System “Eisenbahn” bekommt mal wieder einen empfindlichen Imagedämpfer.
In allen Gazetten, Radiostationen und auf den verschiedenen Fernsehsendern gibt es dank anhaltender Heißluftzufuhr in der Atmosphäre nur noch von viel Halbwissen geprägtes Geschwafel über Klimaanlagen in den Zügen der Deutschen Bahn AG. Ich will die unangenehme Situation auch gar nicht beschönigen, die einem in unklimatisierten Zügen in diesen Tagen widerfahren kann, könnte sie sogar mit eigenen Erfahrungen vom letzten Sonntag bereichern. Doch was bringt diese Diskussion über unattraktives Eisenbahnfahren auf Dauer (wenn die Warmzeit längst wieder vorbei ist)? Wem nutzt die Verteufelung der Technik, die damit unbewusst einher geht?
Auch dieses, auf (nicht funktionierende) Klimaanlagen ausgerichtete Sommerlochthema macht eins ganz deutlich: Wir brauchen eine regelmäßige Berichterstattung über Eisenbahnthemen im Fernsehen. Die Öffentlichkeit muss permanent mit Informationen aus der Eisenbahnwelt versorgt werden - dann verlieren ausgefallene Klimaanlagen auf jeden Fall ihre langfristig abschreckende Wirkung. Wenn die Menschen ein Gefühl der Präsenz von Eisenbahn im täglichen Umgang in den Medien haben – nicht nur bei Katastrophen und solchen die dafür gehalten werden – dann nutzen sie diese Technik auch. Gerade die vielen touristischen Eisenbahnen im Sendegebiet des MDR sind darauf angewiesen, dass die Menschen Vertrauen in die Technik haben. Dass die vielen historischen und touristischen Züge gar nicht störanfällig bei der Klimatechnik sind, wird mitunter gar nicht mehr wahrgenommen.
Eine Sendung wie die “MDR-Bahnzeit” hat die Chance, dieses Vertrauen in die Eisenbahntechnik zu erhalten und ggf. wiederherzustellen. Das beste Beispiel dafür bot der MDR selber – mit der “MDR-Bahnzeit”. Mit einer seriösen und ohne Effekthascherei aufgezogenen Berichterstattung über das Eisenbahnunglück im September des vergangenen Jahres auf der Lößnitzgrundbahn hat der MDR erheblich dazu beigetragen, den potentiellen Fahrgästen das Vertrauen in die Bahn und die dort arbeitenden Menschen wieder herzustellen. Das brauchen wir auch, um das Sommerlochklimaanlagenthema des Jahres 2010 unbeschadet zu überstehen. Darin besteht auch der Bildungsauftrag des Fernsehens. Verstehen Sie das, Herr Prof. Reiter?
Tags: Bildungsauftrag, Klimaanlagen, MDR-Bahnzeit, Sommerloch
Jörg Müller am 13. Juli 2010 Tagebuch JM
Die Fußball-Weltmeisterschaft ist nun wieder vorbei, die deutsche Mannschaft hatte am vorletzten WM-Tag ihren abschließenden Auftritt und die Euphorie für diese Ballsportart wird sich erst einmal in die Sommerpause verabschieden. Auch die Tour de France, die in den vergangenen Jahren gern mal als medialer Jahreshöhepunkt gefeiert wurde, dürfte in diesem Jahr (selbstverschuldet) keine großen Emotionen hervorrufen. Sportlich werden die kommenden Wochen also wieder etwas lethargisch. Für die Fußballer gehts nun erst 2012 bzw. 2014 mit einem neuen Versuch weiter.
Ganz anders dagegen die Tourismusregionen in Mitteldeutschland, die in diesem Sommer wieder auf einen regen Zustrom von Gästen hoffen. Mit allerlei Festen und Veranstaltungen wird versucht, attraktive Programme für Besucher auf die Beine zu stellen. Mit Lethargie ist da nichts zu gewinnen, sondern nur mit viel Engagement und Organisationstalent. Auch die Eisenbahnmuseen, Schmalspurbahnen, Museumsbahnen und touristischen Züge im Sendegebiet des Mitteldeutschen Rundfunks lassen wieder kein Wochenende verstreichen, ohne mit besonderen Themenangeboten Fahrgäste zu locken. Hier geht es, wie geplant, überall auf Hochtouren weiter.
Doch dazu braucht es die Unterstützung des selbsternannten “Heimatsenders”. Das Fernsehen ist nach wie vor ein sehr wichtiges Medium, die Zahlen der aktuellen Media-Analyse belegen das. Deshalb muss es unbedingt auch eine (werbende) Berichterstattung über die vielfältigen tourismusfördernden Angebote geben. Die “MDR-Bahnzeit” hatte da schon den richtigen Zuschnitt für diese Aufgabe! Warum also nicht dieses Format fortsetzen?
Wir werden deshalb auch mit der Aktion “Rettet die Bahnzeit!” nicht locker lassen. Unsere Nachfragen werden in den nächsten Wochen wieder etwas deutlicher ausfallen, schließlich verschleppt der MDR seit einem halben Jahr eine klare Positionierung. Klare Ansage auch an die Rundfunkräte: Merkliche Ergebnisse sind bisher noch nicht spürbar!
Tags: MDR, MDR-Rundfunkrat, Tourismus
Jörg Müller am 28. Juni 2010 Tagebuch JM
Wir erinnern uns in diesen Tagen, da die Fußball-WM in Südafrika aus der Vorrunde in die finale K.O.-Runde einbiegt, der Worte des MDR-Unternehmenssprechers in seinem Schreiben vom 11. März. “… nach der Fußball-WM …” war da zu lesen, als ob dieses sportliche Ereignis für den MDR einen besonderen “Gipfel” darstellt, über dessen dahinter liegendes Gebiet man erst sprechen könne, nachdem man ihn bewältigt hat. Nun sind Eisenbahnfreunde durchaus auch fußballinteressiert (sicher nicht alle, aber dem Durchschnitt der Bevölkerung entsprechend) und werden vielleicht auch bis zum 11. Juli ein interessantes Match auf dem Rasen einer Eisenbahnsendung vorziehen.
Doch wie geht es nach der Weltmeisterschaft weiter? Pfingsten liegt einen Monat zurück, seitdem war die Eisenbahn wieder seltener im Programm. Also “… nach der Fußball-WM …” ist schon sehr bald!
Kommt die Berichterstattung über die Eisenbahn im allgemeinen und deren touristisch wertvollen Einheiten im Sendegebiet wieder ins Programm und bleibt der MDR damit am Ball? Oder waren die verstreuten Sendungen nur “Schwalben”, offenbart der MDR hier Schwächen im Durchhaltevermögen? Mauert sich der Heimatsender weiter ein, oder geht er mit frischem Wind in die Offensive? Vielleicht muss man auch mal über Auswechslungen nachdenken, wenn die Mannschaft nicht das umsetzt, was der Teamführer vorgibt!
Sehr geehrter Herr Prof. Reiter, kommt der MDR nicht bald in die Gänge, ist die Zeit, in der wir unsererseits die Bälle flach halten, langsam vorbei. Da ist das Spiel schon weit in der zweiten Halbzeit.
Tags: Fußball-WM, MDR Unternehmenssprecher, MDR-Programm