Eisenbahn im Sommerloch
Die Medien haben ein tolles Sommerlochthema gefunden – und das System “Eisenbahn” bekommt mal wieder einen empfindlichen Imagedämpfer.
In allen Gazetten, Radiostationen und auf den verschiedenen Fernsehsendern gibt es dank anhaltender Heißluftzufuhr in der Atmosphäre nur noch von viel Halbwissen geprägtes Geschwafel über Klimaanlagen in den Zügen der Deutschen Bahn AG. Ich will die unangenehme Situation auch gar nicht beschönigen, die einem in unklimatisierten Zügen in diesen Tagen widerfahren kann, könnte sie sogar mit eigenen Erfahrungen vom letzten Sonntag bereichern. Doch was bringt diese Diskussion über unattraktives Eisenbahnfahren auf Dauer (wenn die Warmzeit längst wieder vorbei ist)? Wem nutzt die Verteufelung der Technik, die damit unbewusst einher geht?
Auch dieses, auf (nicht funktionierende) Klimaanlagen ausgerichtete Sommerlochthema macht eins ganz deutlich: Wir brauchen eine regelmäßige Berichterstattung über Eisenbahnthemen im Fernsehen. Die Öffentlichkeit muss permanent mit Informationen aus der Eisenbahnwelt versorgt werden - dann verlieren ausgefallene Klimaanlagen auf jeden Fall ihre langfristig abschreckende Wirkung. Wenn die Menschen ein Gefühl der Präsenz von Eisenbahn im täglichen Umgang in den Medien haben – nicht nur bei Katastrophen und solchen die dafür gehalten werden – dann nutzen sie diese Technik auch. Gerade die vielen touristischen Eisenbahnen im Sendegebiet des MDR sind darauf angewiesen, dass die Menschen Vertrauen in die Technik haben. Dass die vielen historischen und touristischen Züge gar nicht störanfällig bei der Klimatechnik sind, wird mitunter gar nicht mehr wahrgenommen.
Eine Sendung wie die “MDR-Bahnzeit” hat die Chance, dieses Vertrauen in die Eisenbahntechnik zu erhalten und ggf. wiederherzustellen. Das beste Beispiel dafür bot der MDR selber – mit der “MDR-Bahnzeit”. Mit einer seriösen und ohne Effekthascherei aufgezogenen Berichterstattung über das Eisenbahnunglück im September des vergangenen Jahres auf der Lößnitzgrundbahn hat der MDR erheblich dazu beigetragen, den potentiellen Fahrgästen das Vertrauen in die Bahn und die dort arbeitenden Menschen wieder herzustellen. Das brauchen wir auch, um das Sommerlochklimaanlagenthema des Jahres 2010 unbeschadet zu überstehen. Darin besteht auch der Bildungsauftrag des Fernsehens. Verstehen Sie das, Herr Prof. Reiter?
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