Jörg Müller am 15. April 2010 Tagebuch JM
Eine ganz besondere Meldung ging heute in der Redaktion des “Preß´-Kurier” ein, die einmal mehr die Verbundenheit vieler Menschen mit ihrer (alten) Heimat zum Ausdruck bringt.
In weit über einhundert Protestschreiben haben sich in den letzten Wochen Mitglieder der Erzgebirgsfreunde Stuttgart e.V. mit Protestbriefen an den MDR gewandt und darin die Fortsetzung der Sendereihe “MDR-Bahnzeit” gefordert. Für einen Großteil der Vereinsmitglieder sind die Sendungen des Mitteldeutschen Rundfunks mit die wichtigsten Informationsquellen aus ihrer alten Heimat, aus der sie nach dem Zweiten Weltkrieg fortziehen mussten – oder auch der wirtschaftlichen Situation nach der “Wende” geschuldet, in den westlichen Bundesländern ein Zuhause fanden. Der MDR hat einen großen Anteil daran, den “Ausgewanderten” die Bindung zu ihren Wurzeln zu erleichtern, ja ihnen Anregungen dafür zu geben, zurück zu kommen – auch wenn es nur für einen kurzen Urlaub ist. Für die Erzgebirgsfreunde Stuttgart sind die Eisenbahnen im Sendegebiet ein fester Bestandteil ihrer Verbundenheit zu Sachsen.
Danke in den Südwesten Deutschlands – stellvertretend für die vielen anderen Regionen unseres Landes – für diese Unterstützung.
Immer wieder erreichten uns in den vergangenen Wochen Schreiben, E-Mails oder auch Telefonate, in denen Menschen ihre Beweggründe schilderten, die Ziele der Aktion “Rettet die Bahnzeit!” zu unterstützen.
Sehr geehrter Herr Prof. Reiter, wenn Sie die tatsächlichen Interessen der Menschen im Programm weiter ignorieren, stellt sich vielleicht in absehbarer Zeit die Frage nach der Notwendigkeit eines nur bedingt “regionalen” Heimatsenders.
Jörg Müller am 6. April 2010 Tagebuch JM
Man traute seinen Augen kaum: War das am 2. April nun eine weitere “MDR-Bahnzeit”-Sendung gewesen? Moderator, Sendezeit, redaktioneller Stil und inhaltliche Reichhaltigkeit ließen doch kaum einen Zweifel daran aufkommen - nur das bisherige Sendungslogo fehlte. So schlecht scheint das Format hausintern also gar nicht bewertet worden zu sein, wenn man nach dreimonatiger Sendepause genau dieses, von den Zuschauern auf der Unterschriftenliste stets befürwortete Konzept, wieder aufleben lässt. Und die Quote mit 7,8 % Marktanteil bei rund 130.000 Zuschauern spricht definitiv ebenfalls nicht dagegen.
Sind wir damit am Ziel? Nein, leider noch nicht! Denn weder ist “Faszination Dampflok” als Auftakt einer regelmäßigen Folge bekannt gegeben worden, noch macht eine Schwalbe schon den Sommer aus. Auch das Leben aus der Konserve – denn ausser der Rahmenmoderation waren die Beiträge fast durchweg Material aus dem Archiv – ist endlich und bei dem Angebot an Aktuellem überhaupt nicht notwendig.
Osterzeit war Eisenbahnzeit – in ganz Mitteldeutschland, in ganz Deutschland. Darüber muss berichtet werden, auf diesen Zug muss aufgesprungen werden, damit möglichst viele Besucher nach Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gelockt werden.
Das Karfreitagprogramm zeigte uns, dass auch beim MDR die Eisenbahn noch nicht endgültig abgefahren ist. Jetzt wollen wir wieder regelmäßig einen regionalen Halt im Sendefahrplan für die Bahnen haben. Wenn es so sein soll, dann ist “Faszination Dampflok” auch ein passender Name für diese Sendung – der dampffreie Beitrag über die Oberweissbacher Berg- und Schwarzatalbahn zeigte doch, dass man das nicht als Dogma begreifen muss.
Aber bis wir das richtige Zeichen aus der Leipziger Sendezentrale vernehmen, werden wir aber wohl noch für etwas öffentlichen Druck sorgen müssen.