Jörg Müller am 30. März 2010 Tagebuch JM
Naja, für Eisenbahninteressierte ist das nun keine besondere Neuigkeit. Aber wenn mit diesen Worten die Programmankündigung für eine Sendung am Karfreitag, den 2. April, im Rahmen eines insgesamt dreieinhalbstündigen Sendeblocks von, mit und über Eisenbahnen beginnt – da kommt man schon ins Staunen.
Fast zur zuletzt üblichen “Bahnzeit”-Sendezeit beschliesst die Sendung “Faszination Dampflok – Mit dem Zug in den Frühling” (Link) eine Staffel mit fünf bahnlastigen Themen. Spielfilm, Reportage, Magazin – alles dabei.
Will der MDR die Interessenlage testen? Hat man erkannt, dass man doch selbst aus der Konserve und mit aktuellen Ereignissen eine ganze Menge Programm mit stählernen Rädern auf stählernen Schienen füllen kann? Da kann man ja fast nur hoffen, dass das Wetter nicht so toll ist und die Menschen lieber vor der Glotze sitzen (denn eine spätere Nutzung der Mediathek zählt ja nicht für die Quote der Sendungen).
Fast wird einem ein bisschen unheimlich bei dieser Ballung an einem Tag und der Vorstellung, was sich der MDR für ein Potential an Zuschauern entgehen lässt. Jeden Monat einmal dreißig Minuten ist das Minimum, um über das reichhaltige Angebot in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wenigstens ganz an der Oberfläche kratzend zu berichten.
Staunen wir noch einmal:
Ob Sonne oder Nebel, ob Schmalspurlok oder Schnellzuglokomotive, die Faszination Dampflok ist ungebrochen.
Zumindest die Redakteure der Sendungen scheinen die Bedeutung der Eisenbahn für die Zuschauer des MDR erkannt zu haben. Ein Lichtblick vor Ostern.
Jörg Müller am 21. März 2010 Tagebuch JM
In der zurückliegenden Woche tagte der Fernsehausschuss (ein “Untergremium” des Rundfunkrates) und auch der Rundfunkrat selber. Sehr deutlich wurde in diesen Beratungen von mehreren Rundfunkräten die Ansicht vorgetragen, dass sich der MDR mit der Einstellung der Sendung “MDR-Bahnzeit” keinen Gefallen getan hat, ja diese revidieren sollte – wie aus verschiedenen Quellen übereinstimmend zu hören war.
Unser Protest ist zumindest an der richtigen Stelle angekommen. Und die Vielzahl der Unterstützerstimmen hat den Rundfunkräten deutlich gemacht, dass wir eine klare Positionierung erwarten.
Nun ist der Ball beim MDR: Man benötige Bedenkzeit für ein “neues Konzept” … – natürlich werde es auch weiterhin Berichterstattung über Eisenbahnaktivitäten im Sendegebiet geben… - nach der Fußball-WM könnte man sich ein neues “Eisenbahnformat” vorstellen – Antwort- und Diskussionssplitter, die zumindest etwas Hoffnung auf Bewegung und einen neuen Anfang bieten.
Geht es nicht schneller? An ein Zurück zur “MDR-Bahnzeit” will man momentan offensichtlich nicht ran. Ein Programmdirektor, der wenige Monate vor seiner Pensionierung Neues wie der Teufel das Weihwasser fürchtet, eine erweiterte Führungsriege, die bei einer Kehrtwende nach einer falschen Entscheidung “Gesichtsverlusst” befürchtet und eine Quotenbegründung zur Sendungsabesetzung, die wahrscheinlich auf falschen Zahlen beruht – alles keine guten Voraussetzungen dafür, dass sich
“auch der MDR mit neuen Ideen dem verändernden Medienverhalten der Zuschauer anpassen”
wird. (Zitat: Schreiben des Unternehmenssprechers vom 11. März)
Wir bleiben am Ball, Herr Prof. Reiter. So schnell werden Sie uns nicht los. Wir werden sehr genau beobachten, wie Sie die Bedenkzeit nutzen.
Übrigens: Noch warten wir auf eine Antwort von Ihnen auf unser Schreiben von Anfang März.
Jörg Müller am 19. März 2010 Tagebuch JM
Heute hatte ich Gelegenheit, dem Vorsitzenden des MDR-Rundfunkrates, Herrn Superintendenten Johannes Jehnichen, in einem persönlichen Gespräch das Anliegen der Aktion “Rettet die Bahnzeit!” und deren Unterstützer vorzustellen. Die mehr als zweistündige angeregte Diskussion hatte natürlich das besondere Ziel, die bisher in den zahlreichen Schreiben nur sehr verkürzt aufzählbaren Argumente “pro MDR-Bahnzeit” ausführlich zu besprechen.
Aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit hatte Herr Jehnichen bisher keine Gelegenheit, die Sendung zu sehen oder sich mit Themen der touristischen Bedeutung der Eisenbahn im Sendegebiet des MDR zu beschäftigen. Unsere Diskussion führte daher natürlich in einem großen Bogen von der Bedeutung der Eisenbahn im Sendegebiet zur Entwicklung des Tourismus als einen Haupterwerbszweig bis hin zur wichtigen Unterstützung dieses Wirtschaftszweiges durch die öffentlich-rechtlichen Medien. Mit Interesse nahm Herr Jehnichen dabei auf, dass es den Unterstützern der Aktion gar nicht um eine reine “Eisenbahnfachsendung” gehe – wie dies von ihm mit wohlklingenderem Wort als im Vokabular der MDR-Verantwortlichen benannt wurde. Dass auch bisher die Verbindung von Eisenbahnthemen mit touristischem Mehrwert, eine abwechslungsreiche Mischung aus aktuellen Themen und Beiträgen mit historischem Bezug sowie der inhaltliche Hauptfokus auf das Sendegebiet des MDR schon zu den Tugenden der MDR-Bahnzeit gehörte, schien ebenfalls nicht Argumentationsbestandteil beim MDR gewesen zu sein.
Selbstverständlich wies auch der Rundfunkratsvorsitzende im Gespräch darauf hin, dass der Rundfunkrat nicht auf inhaltliche Themen direkt Einfluss nehmen könne. Doch es sei natürlich die Aufgabe, auf eine ausgewogene Berichterstattung zu achten und diese auch einzufordern. Insofern werden auch die Rundfunkratsmitglieder die Entscheidungen der MDR-Direktoren und des Intendanten genau und mit Nachdruck beobachten.
Ein Mittschnitt einer Sendung aus dem Jahr 2009 und verschiedene Informationen über die zahlreichen schmal- und regelspurigen Eisenbahnprojekte in Mitteldeutschland, die ich Herrn Jehnichen übergeben konnte, werden ihm sicherlich eine hilfreiche Grundlage für die weitere fachliche Argumentation mit den Verantwortlichen des MDR bieten.
Eine Bitte an den Rundfunkrat habe ich jedoch noch einmal deutlich bekräftigt: Der Fernsehausschuß möge sich doch einmal die fundierten Quoten der MDR-Bahnzeit und den Vergleich mit anderen Sendungen am gleichen Sendeplatz vorlegen lassen – wir haben den Verdacht, dass der MDR hausintern “mit gezinkten Karten” spielen könnte. Denn der unterstellte ausgebliebene Erfolg ist schließlich das hauptsächliche “Totschlagsargument”.
Es war ein sehr angenehmes Gespräch. Vielen Dank, Herr Jehnichen.
Jörg Müller am 14. März 2010 Tagebuch JM
Drei Monate nach der letzten Ausstrahlung und zwei Monate nach Start der Aktion “Rettet die Bahnzeit!” wissen die Zuschauer noch immer nicht, wohin der MDR künftig geht. Stereotype inhaltsarme Antworten auf vielfältig argumentativ vorgetragenen Protest gegen die Einstellung der Sendung “MDR-Bahnzeit” – da ist etwas krank am Verständnis des “Heimatsenders” vom Umgang mit seinen Zuschauern.
Setzen wir zunächst unsere nächste Hoffnung in die Arbeit des Rundfunkrates. Beobachten wir, wie die aufgrund ihrer Arbeit in verschiedenen gesellschaftlichen Organisationen als Vertreter der Allgemeinheit berufenen Mitglieder unsere Interessen vertreten. Es gibt erkennbare Ansätze, dass sie dies tun – einige Rundfunkräte haben tatsächlich (abweichend von der MDR-Wortwahl) eigene Antworten gefunden. (Wir werden die Schreiben hier nach dem Vorliegen der Zustimmung der Absender veröffentlichen.)
Ja, auf den Rundfunkrat kommt tatsächlich eine neue Verantwortung zu – die er zwar schon seit Start des MDR hat, aber bisher nie wahrnehmen musste. Der Rundfunkrat muss erstmals seiner Verantwortung nachkommen, die Interessen der Allgemeinheit wahrzunehmen. Und das sind eben nicht nur die Eisenbahninteressierten, sondern auch die Beschäftigten in der Tourismuswirtschaft, die auf eine öffentlichkeitswirksame Unterstützung durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk angewiesen sind. Das Argument, dass der Rundfunkrat nicht in die Programmgestaltung eingreifen kann, mag stimmen. Aber der Rundfunkrat hat die Pflicht, die Erfüllung des Programmauftrages des MDR zu kontrollieren und die Erfüllung einzufordern.
Gutta cavat lapidem. Wir werden den öffentlichen Druck fortsetzen, das Thema im Gespräch halten und das Gespräch suchen. Der “große Berg” namens MDR ist in Bewegung gebracht, wir werden ihn nicht so schnell zur Ruhe kommen lassen.
(1) "Quo vadis" - deutsch: Wohin gehst du
(2) "Gutta cavat lapidem" - deutsch: Der Tropfen höhlt den Stein
MDR am 11. März 2010 Allgemein
Vom Unternehmenssprecher des MDR, Herrn Dirk Thärichen, wurde heute nachfolgender Brief an die Unterstützer der Aktion “Rettet die Bahnzeit!” mit der Bitte übermittelt, diesen auf der Webseite www.rettet-die-bahnzeit.de bekannt zu machen. Der Bitte kommen wir selbstverständlich gern nach.

Brief des MDR-Unternehmenssprecher vom 11. März 2010 an die Unterstützer der Aktion "Rettet die Bahnzeit!"